Persönlich, ehrlich und ganz nah dran an den Münchner Bühnen: Thea geht für dich in die Premiere und berichtet. Vom Nationaltheater bis zu den Münchner Kammerspielen. Aktuelle Premierenkritiken, die Orientierung geben und Lust auf Theater und Oper in München machen.
Die Konzertreihe des Bayerischen Rundfunks musica viva ist eine der weltweit wichtigsten Plattformen für zeitgenössische Musik. Den fulminanten Start in die Saison 2026/27 gibt es im September mit gleich drei Veranstaltungen.
Zum Konzert-Tipp von Simone Lutz
Drei Damen unterhalten sich über Gott und die Welt – und über das, was auf dem „Abort“ passiert: Claudia Bauer hat sich mit Die Präsidentinnen ein Fäkaliendrama von Werner Schwab vorgenommen, welches einst einen Skandal auslöste und heute witzig Schamgrenzen auslotet.
Zur Premierenkritik von Michael Stadler
Einem Missbrauchstäter zuhören, seine Sichtweisen ertragen, Motivationen gar nachempfinden: das will Lucas Rijnevelds Roman Das kleine Prachttier. Auch als stark gekürzte Bühnenversion an den Kammerspielen ist das eine intensive Herausforderung.
Zur Premierenkritik von Peter Eidenberger
Ein Jahr im Leben einer Schriftstellerin, die sich selbst gerne als Tussi tituliert - wie fühlt sich das an? In Enjoy Schatz geht es genau darum. Jovana Reisinger nimmt das Publikum mit in den Dialog mit ihrem Alter Ego. Als Vorlage für das Stück dient ihr neuer Roman, in dem sie Themen wie Scham, Schönheitsideale, weibliche Sexualität und künstlerische Selbstbestimmung verhandelt.
Schwestern. Königinnen. Rivalinnen im Anspruch auf den Englischen Thron. Die Uraufführung Of One Blood von Brett Dean (Komposition) und Heather Betts (Libretto) behandelt den Konflikt zwischen Maria Stuart und Elisabeth Tudor. Bei der Premiere gab es tosenden Applaus: ein voller Erfolg und das zu Recht!
Zur Premierenkritik von Simone Lutz
München, 1980er: Der Queen-Sänger Freddie Mercury lebt in der Stadt, genießt das Nachleben, frequentiert die Lokale der Gay-Community. Auf seinen Spuren entsteht das Portrait einer Zeit zwischen Party und Aids-Epidemie. Ein München, von dessen Orten und Menschen heute viele verschwunden sind.
Zur Premierenkritik von Simone Lutz
Politthriller und Familientragödie zugleich: Regisseur Robert Icke übersetzt den antiken Mythos radikal in die Gegenwart. In einer Wahlkampfzentrale ermittelt Spitzenkandidat Ödipus in eigener Sache – gegen Fake News und die Schatten der Vergangenheit, bis sein Lebenskonstrukt zerbricht.
Coming-of-Age zwischen Eliteschule und Gaming: Mit einem sechsköpfigen Ensemble und unter Einsatz von Masken und viel Video inszeniert Jan Friedrich am Münchner Volkstheater den Bestseller des österreichischen Schriftstellers Tonio Schachinger, der dafür 2023 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.
Kann man die Verhältnisse verändern und wenn ja wie? Claudia Bossard gelingt mit ihren fantastischen Schauspieler*innnen ein feinsinnig-brachialer Zugriff auf Peter Weiss‘ ikonisches Stück. Ein Streitgespräch zwischen Marat, dem Befürworter des Terrors, und dem Marquis de Sade, dem Meister der Eskapaden.
Nora Abdel-Maksoud befragt mit ihrem neuen Stück in den Münchner Kammerspielen den Dialog unserer Gesellschaft. Wie diskutieren wir, was darf man sagen, was nicht? Wohin führt die Woke-Debatte? Nach links, nach rechts?
Zur Premierenkritik von Peter Eidenberger
Seit 2024 zeigt der spanische Choreograf Enrique Gasa Valga in München mit seiner Company bildstarke, effektvoll inszenierte und unterhaltsame Tanzrevuen. 2026 gibt es gleich drei Produktionen von ihm am Deutschen Theater zu sehen: Dorian Gray, Der Fall Wagner und Carmen.
Verführung, Schuld, Tod & Erlösung: Gounods Faust konzentriert das Drama Goethes ganz auf die Dreiecksbeziehung Faust, Gretchen alias Marguerite und Mephisto, und kleidet es in lyrische, höchst elegante Musik. Das Bayerische Staatsorchester unter Natalie Stutzmann spielt das herrlich klangschön und bei der Premiere brillieren die Sänger*innen, allen voran Jonathan Tetelman, Kyle Ketelsen und Olga Kulchynska.
Das Bayerische Staatsballett übertrifft sich selbst beim Dreiteiler „Common Ground“. In diesem Ballettabend wird recht rebellisch mit Theaterkonventionen umgegangen. Gerade das macht ihn aber so richtig rund.
Hochstapelei, Geldgier und liebestolle Verwechslungen stehen ganz hoch im Kurs, bei Franz Lehárs Operette Der Graf von Luxemburg - sehr amüsant inszeniert und frisch aktualisiert von Peter Lund am Gärtnerplatztheater München.
Eine Witwe, ihre Mutter, ihre fünf Töchter und fragwürdige Moralvorstellungen in der spanischen Provinz der 1930er Jahre: Regisseurin Rieke Süßkow dokumentiert mit beeindruckenden Bildern am Cuvillièstheater die zerstörerischen Strukturen in einem Frauenhaushalt.
Zur Premierenkritik von Peter Eidenberger
Für die Schulden des Vaters muss die Tochter über die Schamgrenze. Julia Riedler macht die Sache des keuschen Fräuleins zu unser aller Angelegenheit, durch Interaktion und Dialog mit dem Publikum. Ein flirrender Abend an den Münchner Kammerspielen zwischen witziger Improvisation und tiefgehenden Fragen.
Zur Premierenkritik von Peter Eidenberger
Sie ist nicht mehr wegzudenken aus der Tanzwelt; die österreichische Choreografin Doris Uhlich. Im Zentrum ihrer Arbeit steht der – oft nackte Körper – und das in all seinen Ausformungen.
Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat „Saïd“ Perhat begeisterten bereits mit ihrem ersten Tanztheaterstück Grey am Münchner Volkstheater. Auch in ihrem zweiten Werk bestimmt ein elektrisierender Mix aus zeitgenössischem und urbanem Tanz den Rhythmus der Bewegungen.
Im neuen Ballett-Dreiteiler Rock to Heaven des Staatstheaters am Gärtnerplatz spiegelt sich Lebensgefühl in seiner ganzen Bandbreite wider. Das Ballett des Gärtnerplatztheaters darf hier – stilistisch quasi von der Leine gelassen – in einen live gespielten Rockkosmos abtauchen
Was dem Bösen zum Aufstieg verhilft, ist nicht der oder die eine, die sagt: „Ich verkaufe jetzt meine Seele“. Sondern viele kleine mangelhafte Entscheidungen von durchschnittlichen Leuten. Sehr anschaulich in Bertolt Brechts Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui von 1941. Jetzt neu inszeniert am Volkstheater von Christian Stückl.
Zur Premierenkritik von Martin Jost
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